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Andacht

„Du bist ein Gott, der mich sieht. (1 Mose 16,13)“ Diese Anrede an Gott begleitet uns als Jahreslosung durch das Jahr 2023. Zwischen uns Menschen gehört es dazu, dass wir gesehen werden. Als Angeschaute sind wir ganze Menschen. Schon bei der Schöpfung sah Gott, dass der Mensch nicht allein sein solle. Das gegenseitige Sehen und Gesehenwerden ist Teil unserer Menschlichkeit, und zugleich ist es nicht gleichmäßig verteilt. Manche fühlen sich wohl im Rampenlicht und andere im Hintergrund, aber nicht jeder ist mit dem Maß an Aufmerksamkeit zufrieden, das ihm zuteil wird. „Big Brother is watching you“ – was einmal sprichwörtlich für die bedrohliche Einparteienherrschaft im Roman 1984 stand, ist fast durchgängig seit über 20 Jahren ein Teil des jährlichen Fernsehprogramms.

Zu den Konzepten solcher Sendungen gehört es immer auch, dass die Schattenseiten von Menschen gezeigt werden, manchmal sogar hauptsächlich. Wenn die gemeinsame Art von Dschungelcamp, Big Brother und Sommerhaus der Stars benannt werden soll, dann ist die Rede wahlweise von „Reality TV“ oder auch „Trash TV“ – Wirklichkeits- oder Abfallfernsehen. Der Blick hinter die Kulissen der Stars, der Fassaden der Musterfamilie kann enttäuschen, aber manchmal zeigt sich dann auch – im Fernsehen wie im Leben – die gute Seite eines Menschen, dem man das zuvor nicht zugetraut hätte.

Die Geschichte Gottes mit der Menschheit wird immer gerade zu Beginn der Bibel immer auch als Familiengeschichte erzählt – das Scheitern und erneute Aufbrechen gehört dazu bei Adam und Eva, bei Kain und Abel, bei Noah und seiner Familie. In einer Menschheit, die nicht ins Paradies zurückkehren kann, verbündet sich Gott dann mit der Familie Abrahams, den er ins Heilige Land sendet. Abraham und Sarah brechen auf, aber die Frage der Zukunft bleibt offen – beide sind schon älter und haben noch kein Kind. Sarahs mögliche Lösung erschiene uns heute fremd und ließe selbst im heutigen Fernsehgeschäft aufhorchen: Mit ihrer Magd Hagar soll Abraham ein Kind zeugen, das dann als Sarahs Kind gelten solle. Während der Schwangerschaft wird die Situation der Frauen konfliktreich, und Hagar flieht in die Wüste, obwohl ihr dort nicht nur eine Vertragsstrafe, sondern der Tod droht.

Dort, an einer Wasserstelle, spricht der Engel Gottes zu ihr mit der Weisung, zurückzukehren, und mit dem Versprechen, dass auch aus ihrem Sohn Ismael ein großes Volk werden werde. Hagar nimmt in der Begegnung mit dem Engel auch Gottes Gegenwart wahr und spricht schließlich: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Für das Jahr 2023 wünsche ich uns in den ruhigen und sicheren, aber auch den womöglich bedrohlichen Momenten, dass wir uns gegenseitig sehen und von Gott gesehen werden.


Pastor Dr. Till Engelmann

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