St. Cyriaci-Kirchengemeinde Dorste


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Gedanken zum baldigen Osterfest

Der erste Schritt des Kindes, der Wechsel vom Kindergarten zur Schule, letzte Gespräche vor langen oder gar endgültigen Trennungen – an manche Situationen erinnern wir uns genau. Dann gibt es auch die anderen Erfahrungen: Wir wissen darum, dass etwas ein ganz besonderes Ereignis ist, und doch sind die Erinnerungen daran nur schwer zu greifen, weil man in diesen Momenten voll und ganz aufgeht oder so viele (manchmal widersprüchliche) Gefühle sich in uns regen. Manchmal braucht es dann verschiedene Teile, um aus Puzzlestücken ein vollständigeres Bild zu legen.

Ein solches ganz besonderes Ereignis ist das Osterfest. Gerade da kann es einem die Sprache verschlagen, und auch Fotos oder Videos hülfen uns nicht weiter, um den Kern von Ostern zu zeigen. Auferstehung lässt sich nicht festhalten. In den vier Evangelien werden verschiedene Geschichten erzählt, wie Jesus als Auferstandener seinen Jüngern begegnet und die dann – soweit es möglich ist – begreifen, was da geschehen ist. In einem sind sich die Evangelien aber einig: Die Ersten, die das leere Grab sehen, die Ersten, die Jesus begegnen, sind Frauen.

Im Evangelium nach Johannes ist es Maria aus Magdala, die etwas ganz anderes als erwartet vorfindet – den weggewälzten Stein vor der Grabeshöhle. Als sie die Kraft findet, einen Blick ins Grab zu werfen, sieht sie zwei Engel, die den Platz, an dem Jesus lag, einrahmen. Als die Engel sie fragen, warum sie weine, da spricht sie von Jesus, den sie vermisse. Die nächste Begegnung vor dem Grab ist mit dem Auferstandenen selbst, aber sie erkennt ihn nicht sofort, sondern hält ihn für den Gärtner. Immer noch das Weinen, immer noch das Missverständnis – auf ihre Tränen angesprochen, da erkundigt sich Maria danach, ob Jesus fortgebracht wurde und wo sie ihn finden könne. Erst die Ansprache mit ihrem Namen lässt Maria durch ihre Tränen wieder klar sehen: Jesus, den sie sich nur noch als Toten vorstellen konnte, steht als wieder und zugleich ganz anders Lebendiger vor ihr.

Als sie sich ihm nähert, da heißt es dann: Rühr mich nicht an! Das verwandelte und vollendete Leben ist nicht so (be)greifbar wie unser alltägliches Dasein. Statt Jesus festzuhalten und damit zunächst zu verharren, wird Maria auf den Weg geschickt, den Jüngern von der Begegnung und Jesu baldigem Weg zum Vater zu erzählen. Das Leben siegt über den Tod, und das ist von der Geschichte Jesu nicht zu trennen. Was Ostern in seiner Fülle bedeutet, das wird in dieser Welt wohl kaum einer begreifen, festhalten können. Aber manches spricht mich in dieser Ostergeschichte ganz besonders an: "Warum weinst du?" zu fragen statt beschämt fortzuschauen oder selbstherrlich draufzuhauen, beim Namen benannt zu werden und neuen Mut zu fassen, trotz Tränen klar zu sehen und schließlich in Liebe loslassen und neu aufbrechen zu können. Eine zutiefst menschliche Geschichte, eine Geschichte davon, wie Gott die Welt in Menschengestalt verändert.

Ich grüße euch und Sie mit dem Monatsspruch für April:
Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: "Ich habe den Herrn gesehen", und was er zu ihr gesagt habe. Johannes 20,18 und wünsche eine gesegnete Osterzeit.

Ihr und euer Pastor Dr. Till Engelmann

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